• Viola

Zwillinge trennen in Kindergarten und Schule? Erfahrungen einer Zwillingsmama & Lehrerin

Vor kurzem sagte die Erzieherin meiner dreijährigen Zwillinge einen kurzen, aber einprägsamen Satz: „Also die beiden, die müssen in der Schule auf jeden Fall getrennt werden!“ Sie meinte damit 5-jährige Zwillingsjungs, die oft wild und ungestüm sind, gerne auf dem Boden rollen und über ein gewisses Repertoire an Schimpfwörtern verfügen.

Dieser Satz hallte lange bei mir nach. Schließlich habe ich selber Zwillinge und bin Grundschullehrerin, mich betrifft dieses Thema also sowohl privat, als auch beruflich. Hätte ich also die Erzieherin in ihrer Aussage bestätigen sollen? Oder doch eher korrigieren?

Zwillinge im Kindergarten

Seit meine Zwillingsmädchen anderthalb Jahre alt sind, besuchen sie eine Kita. Für mich hat sich in diesem frühen Alter nie die Frage gestellt, ob ich sie trennen sollte oder nicht. Eine erzwungene Trennung wäre für mich definitiv ein Grund gewesen, diese Kitaeinrichtung zu meiden. Doch diesbezüglich gab es überhaupt keine Diskussion und die beiden sind seitdem glücklich gemeinsam in einer Gruppe.

Mittlerweile habe ich allerdings auch von Müttern gehört, deren Zwillinge bereits im Kindergartenalter getrennte Gruppen besuchen. Gleiche Einrichtung, andere Bezugspersonen also. Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich.

Trennung im Kindergartenalter

Teilweise sind es die Betreuungseinrichtungen, die für separate Gruppen plädieren. Manchmal aus organisatorischen Gründen (eine Gruppe ist bereits zu voll, schlechter Personalschlüssel), manchmal aus pädagogischen Gründen: – Die Persönlichkeit des einzelnen Kindes könne sich besser entfalten, wenn es ohne das Geschwisterkind den Kitaalltag erlebt – Neue Freundschaften können eher geschlossen werden, wenn der andere Zwilling nicht immer dabei ist – Eine individuelle Entwicklung kann leichter voranschreiten, wenn das Kind sich nicht am Geschwister orientiert.

In einigen Fällen sind es aber im Kleinkindalter auch die Eltern, die sich für eine Trennung ihrer Zwillinge einsetzen. Sie befürchten zum einen, dass sich die beiden gegenseitig in ihrer Entwicklung hemmen. Zum anderen wird ein Zwilling häufig als „Ton angebend“ empfunden, wohingegen das Geschwisterkind sich unterordnet.

Ich kann die Bedenken dieser Eltern in gewisser Hinsicht nachvollziehen. Sie möchten ihren Kindern gleiche Chancen ermöglichen und hoffen, dass eine Trennung letztlich beiden Kindern guttut.

Dennoch teile ich diese Ansicht nicht

Zwillinge, die mit einem, zwei oder auch drei Jahren in die Kita kommen, kennen ihr Leben nur gemeinsam mit dem Zwillingsbruder oder der Zwillingsschwester. Seit dem ersten Moment ihres Bewusstseins ist da jemand, mit dem man auch ohne Worte kommunizieren kann. Dessen Nähe nachweislich beruhigt. Der einfach dazu gehört, weil er immer da ist. Und, ganz wichtig, der Sicherheit gibt.

In diesem jungen Alter würde ich auch keine Unterscheidung bzgl. der Ein- oder Zweieiigkeit vornehmen. Mag sein, dass sich zweieiige Zwillingspärchen im Laufe ihres Lebens eher aus den Augen verlieren, als dies bei eineiigen Mädchen oder Jungen der Fall ist. Im Kleinkindalter ist das nicht relevant. Da ist der Zwilling einfach die andere Hälfte, ohne die etwas fehlt. Dieses Vertrauen auf ihren Wegbegleiter hätte ich meinen beiden Mädchen nicht nehmen wollen.

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Zudem sollte es selbstverständlich sein, dass Erzieherinnen auch Zwillinge als Individuen betrachten. Als eigenständige Persönlichkeiten, die ihr eigenes Tempo haben, die eigene Stärken und Schwächen in sich vereinen. Genau so, wie jeder andere Mensch eben auch.

Zwillinge in der Grundschule

Einige Grundschulen geben prinzipiell vor, Zwillinge in verschiedenen Klassen unterzubringen. Andere suchen das Gespräch mit den Eltern, um gemeinsam zu entscheiden, welches der beste Weg für die Kinder ist. Ich habe bisher noch an keiner Schule gearbeitet, an der eine Trennung Pflicht war und ich würde diese auch nicht befürworten. Zumindest nicht als Verallgemeinerung und als Dogma, welches erfüllt werden muss.

Natürlich haben Zwillinge bis zum Schuleintritt eine größere innere Stabilität entwickelt, als dies zu Beginn der Kitazeit der Fall war. Sie verstehen nun auch intellektuell mehr und können besser artikulieren, was ihnen guttut und was nicht.

Daher halte ich es für wichtig, die Wünsche der Kinder bei der Klassenzuordnung ebenso zu berücksichtigen, wie die der Eltern. Das heißt nicht, dass sechsjährigen die alleinige Entscheidung über ihre Jahre in der Grundschule gewährt wird. Es sollte ihnen jedoch verdeutlicht werden, dass ihre Meinung zählt, dass ihre Gefühle respektiert werden und dass sie ein Mitspracherecht haben.

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#Kita #Schule

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