• Viola

Schule 1985 statt 2022: Warum es mit unserem Bildungssystem so nicht mehr weitergehen kann


Ich bin es leid, so unfassbar leid. Was ist nur los in diesem ehemaligen Land der Dichter und Denker, dass es meint, sich diese Ignoranz gegenüber unseren Kindern leisten zu können? Gegenüber der Zukunft unseres Landes, denn nichts anders sind die vielen Schüler und Schülerinnen, die tagtäglich unsere staatlichen Bildungseinrichtungen besuchen. Allein, der reine Besuch in einer Einrichtung, die mit der Lebensrealität der Gegenwart kaum noch etwas zu tun hat, wird nicht reichen, um sie zu kompetenten Gestaltern zu machen. Unser Bildungssystem muss sich ändern - und zwar gestern!


Strukturen von Anno Dunst


Unsere Strukturen sind mehr als veraltet. Damit meine ich nicht mal in erster Linie die Lehrpläne, die zwar voller Fachwissen sind, aber gerade älteren Schülern keinen reellen Lebensnutzen bringen. Vorbereitung auf ein eigenständiges Leben mit Miete, Versicherungen und Berufsorientierung? Scherz lass nach, dafür ist zwischen all den fachlichen Lektionen und Kalkulationen keine Zeit. Aber nein, um diesen schauerlichen Fakt soll es in diesem Beitrag gar nicht gehen.

Ich meine vor allem die Strukturen, in denen unser Bildungssystem gefangen ist. Eine Verwaltung, die sich ausgiebig selber verwaltet, aber keine Möglichkeit sieht, ihre Arbeit in den Dienst von Lehrern und Schule zu stellen. Stattdessen torpediert sie deren Alltag mit einer nie enden wollenden Flut von Anweisungen und Vorschriften, deren Umsetzung natürlich stets Priorität haben soll. Wann neben all den Anweisungen, Dienstwegen, Ausschüssen und Konferenzen noch Platz für das Kerngeschäft der Lehrer sein soll, bleibt an vielen Tagen ein Rätsel. Friendly Reminder: Das Kerngeschäft des Lehrerberufs ist - meiner Auffassung nach - das Unterrichten der Schüler und Schülerinnen, nicht das Erfüllen und Ausfüllen zumeist unnötiger Auflagen.


Tolle Lehrer - zu viele Aufgaben


Es muss ein für alle mal ganz klar gesagt werde: Die Qualität des Unterrichts leidet darunter! Es muss viel mehr kommuniziert werden, wie viele Dinge ein Lehrer an einem einzigen Schultag erledigen muss. Der eigentliche Unterricht wird da oft zum Nebenschauplatz, auch wenn er stets der absolute Fokus sein sollte. Es gibt vor Ort an den Schulen so unglaublich viele Defizite, die vielen Außenstehenden überhaupt nicht bewusst sind. Viel zu sehr sind Lehrer an die Verwaltung des Mangels gewohnt und haben so unendlich viele Aufgaben neben der reinen Unterrichtszeit, dass für eine klare Kommunikation der Missstände weder Zeit noch Energie bleibt. Und wozu auch, gefühlt hört einem in der Verwaltung ohnehin niemand zu.


Es gibt so viele tolle und engagiert Lehrer an unseren Schulen, die mit wirklich schlechter Ausstattung arbeiten müssen. Trotzdem tun sie es mit Herz und viel Enthusiasmus. Danke dafür, ihnen allen wird viel zu wenig Wertschätzung zuteil. Dennoch wird es Zeit, dass Schule aufwacht und sich neu erfindet. Nein, eigentlich nicht die Schule. Jeder vor Ort weiß, was er oder sie besser machen könnte. Es sind veraltete Strukturen, die unseren Kindern den Fortschritt in weiten Teilen vorenthalten und dadurch Chancen verbauen. Strukturen, die sich lieber selber erhalten anstatt Verantwortung zu übertragen.


Es reicht!


Das Verrückte daran: Diese Defizite sind hinreichend bekannt! Seit Jahren wird darüber geredet, doch passieren tut nichts. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass der Blick auf die Schulverwaltung eine gewisse „Drolligkeit“ bekommen hat: Ach nee, was haben sie denn jetzt wieder gemacht? Oh nein, das ergibt ja mal wieder gar keinen Sinn.

Sorry, aber das können wir uns nicht leisten!

Unsere Kinder sind diesen Strukturen, die Fortschritt in Teilen unmöglich machen, tagtäglich ausgesetzt. Anstatt die Verantwortlichen unseres Bildungssystems milde zu belächeln, müssen wir sie anschieben. Anschieben zu mehr Dynamik und modernerer Arbeitsweise, die 2022 eigentlich selbstverständlich sein sollten. Doch wenn der Dienstweg noch immer via Papierbrief vor dem eigentlichen Verwaltungsmitarbeiter über drei andere Stationen geht, kann von Effizienz wohl nicht die Rede sein. Man ist ja schon dankbar, wenn man nicht mehr die Postkutsche rattern hört. Da wäre es doch auch an der Zeit, dass der Amtsschimmel endlich zu wiehern aufhört.


In meinen Gesprächen als Lehrerin und Mutter sehe ich oft die verwunderten Gesichter, wenn ich über den einzigen - stets defekten - schwarz weiß Kopierer berichte. Oder wenn ich erzähle, dass die lautstark proklamierten Erzieherstunden in den unteren Klassen aufgrund von anderweitigen Vertretungen fast nie stattfinden. Wie soll sie denn so eigentlich funktionieren, die individuelle Förderung? Wie soll ein einzelner Lehrer es schaffen, mit einer schlechten Grundausstattung 28 Schulkinder über 6 Unterrichtsstunden am Tag genau dort abzuholen, wo der einzelne Schüler es am meisten braucht? Funktioniert nicht, keine Frage. Wie so oft auf Kosten der Kinder, die zusehen müssen, wie sie im Unterricht mit ihren 27 anderen Klassenkameraden irgendwie mitkommen. Oder eben auch nicht.


Aufwachen, Deutschland!

Die Politik verschläft hier die Brisanz der Situation total. Wir können es uns als Land nicht leisten, auf diesem niedrigen Level weiter zu machen. Die Wut ist da und es ist sowas von nötig, all die Schwachstellen unseres Bildungssystems laut anzusprechen und sich endlich Gehör zu verschaffen.

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