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Sönke Wortmann und Cast: Das Team von "Eingeschlossene Gesellschaft" im Interview

In einem vorigen Beitrag habe ich euch bereits von dem genialen neuen Kinofilm „Eingeschlossene Gesellschaft“ berichtet (könnt ihr gleich hier nochmal nachlesen).

Selten habe ich so über sechs Lehrertypen gelacht, die sich zwangsläufig mit ihren eigenen Marotten und Verfehlungen an einem Freitagnachmittag im Lehrerzimmer auseinandersetzen müssen. Im Rahmen der Weltpremiere in Berlin hatte ich die Möglichkeit, den Regisseur Sönke Wortmann sowie die Schauspielerin Nilam Farooq zu interviewen. Thema Schule - was sonst?


1. Interview mit Sönke Wortmann Regisseur von Eingeschlossene Gesellschaft

Was hat Sie bewegt, nach „Frau Müller muss weg!“ erneut einen Film über Lehrer zu drehen?

„Das war eigentlich Zufall. Allerdings denke ich mittlerweile, dass eine Trilogie eine gute Idee wäre: Ein Film aus Sicht der Eltern, einer aus Sicht der Lehrer und einer aus Sicht der Schüler. Der fehlt dann noch, auch wenn einige Ideen bereits entwickelt werden.“

Welche Emotionen verbinden Sie mit Schule?

„Ehrlich gesagt recht wenige und diese sind weder besonders gut noch besonders schlecht. Ich bin da weitgehend ohne Stress durch marschiert.“

Gab es Lehrer, die Sie besonders beeinflusst haben?

„Ja, es gab einen Englischlehrer, der einfach nicht besser als 3 bewertet hat. Das fand ich sehr ungerecht. An Herrn Sandmann, meinen Mathematiklehrer, denke ich allerdings gerne zurück. Ich war da relativ talentfrei, aber er hat bei mir oft fünfe gerade sein lassen.“

Wie haben Sie sich im Lehrerzimmer gefühlt? War das wie eine Art Flashback für Sie?

„Nein, gar nicht. Als Schüler war ich nie im Lehrerzimmer, das war nahezu ein geheimer Ort. Bei der Vorbereitung auf den Dreh fand ich es sehr interessant, dass den Lehrern unser Aufenthalt dort offenkundig nicht so ganz lieb war. Es ist einfach ihr Territorium, in das man als Fremder nicht eindringen sollte.“

Beschreiben Sie Ihren Wunsch-Lehrer mit 3 Adjektiven:

„Humorvoll, gelassen und dennoch fordernd.“

Sie haben ja selber Kinder, die mittlerweile Abitur gemacht haben. Wie zufrieden waren Sie mit den Schulen Ihrer Kinder?

„Ich hatte Glück, da gab es nie Probleme. Die Schullaufbahn meiner Kinder war wirklich geschmeidig und unproblematisch. Sie waren scheinbar richtig schlau und ich mußte nicht einmal mit ihnen Hausaufgaben machen. Gut gefallen hat mir das Konzept der Montessori Grundschule, die beide anfangs besucht haben.“

Was müsste aus Ihrer Sicht dringend im Bereich Schule geändert werden?

Das ist für mich als Außenstehender insgesamt schwer zu beurteilen, aber einige Dinge würden mir schon einfallen. Mittlerweile ist ja zum Beispiel bekannt, dass etwa 90% des Schulwissens im Alter von 30 Jahren wieder vergessen wurde. Schüler sollten sich früher spezialisieren können, um ihre Stärken besser entwickeln zu können. Es muss nicht jeder alles gut können, Individualismus sollte viel mehr gefördert werden. Und natürlich wäre auch ein späterer Schulbeginn sinnvoll. 9 Uhr sollte völlig ausreichen, früher sind die Kinder noch gar nicht wach.“

Wenn es ein Fach gäbe, das Sie aus dem Stundenplan entfernen könnten - welches wäre das?

„Klare Antwort: Chemie. Hab ich nie wieder gebraucht.“

Welches Fach würden Sie dafür gerne auf dem Stundenplan sehen?

„Mehr Musik fände ich gut. Während unseres Sabbaticals in Indonesien haben wir gesehen, dass dort ganze Schulklassen Violine spielen. Das hat mir gut gefallen. Auch Yoga könnte ich mir für eine ausgeglichenere Schülerschaft sehr gut vorstellen.“

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Wortmann! „Vielen Dank an Sie, für ein wirklich angenehmes Gespräch. Und toll, dass Sie sich mit ihrer Mission Bildung so in diesem Bereich engagieren. Viel Erfolg dafür!“


2. Interview mit Nilam Farooq

Spielt im Film die Referendarin Sarah Schuster

Als Nilam den Interview-Raum betritt, sind wir uns auf Anhieb sympathisch. Zwei original Berliner Pflanzen mit Schulerfahrung in ähnlichen Bezirken - das verbindet. Sie bietet mir sogleich das Du an, was ich mit Freude annehme.

Sag mal Nilam, wie sympathisch ist dir Sarah Schuster gewesen?

„So etwa 50/50. Ich finde ihre Einstellung gut, sich als Frau zu nehmen, was man will. Auch wenn ich es nicht unbedingt so machen würde wie sie. Aber der feministische Ansatz in ihrer Rolle gefällt mir. Auch den Frust mit dem bestehenden Schulsystem kann ich gut verstehen."

Wurdest du selber von einer Sarah Schuster unterrichtet?

„Lustig, hab` ich noch gar nicht drüber nachgedacht. Aber das stimmt. Wir hatten eine Referendarin in Biologie und Englisch. Die war eigentlich ganz ok.“

Hättest du dir vorstellen können selber Lehrerin zu werden?

„Oh Gott, auf gar keinen Fall! Ich habe früher meinem kleinen Bruder bei den Hausaufgaben helfen müssen. Ich dachte immer, ich erkläre das voll gut. Aber er hat nichts kapiert. Ich hatte überhaupt keine Geduld mit ihm. Das hätte als Lehrerin nicht geklappt.“

Welche Emotionen verbindest du mit Schule?

„Ganz ehrlich, ich bin nicht gerne zur Schule gegangen. Das war aber unabhängig von den Lehrern, ich habe den Sinn von Schule einfach nicht verstanden. Da gab es so viele Wiederholungen und der Unterricht war so wenig lebensnah. Nicht mein Ding.“

Wie hast du dich im Lehrerzimmer gefühlt? War das wie ein Flashback für dich?

„Nee, gar nicht. Ich hab tatsächlich am ersten Tag am Set gedacht Krass, ich bin das erste Mal in meinem Leben in einem Lehrerzimmer! Das war ein absolutes Mysterium für mich. An meiner Schule gab es sogar eine extra Tür für Lehrer. Die sind da rausgekommen und dann irgendwie wieder drin verschwunden. Ganz merkwürdig.“

Wie würdest du deinen Wunsch-Lehrer mit 3 Adjektiven beschreiben?

„Auf Augenhöhe, lässig und dennoch Kompetenz ausstrahlend. Man will ja auch nicht von jemandem unterrichtet werden, den man nicht ernst nimmt.“

Was müsste aus deiner Sicht dringend im Bereich Schule geändert werden?

„Es müssten viel lebensnahere Inhalte aufgenommen werden. Also beispielsweise das Verstehen von Steuern und Versicherungen. Ich fände es auch wichtig, die Klassenstärke zu verringern und mehr Individualität zu fördern. Nicht immer das Gleiche von allen verlangen, das bringt nichts.“

Wenn es ein Fach gäbe, das du aus dem Stundenplan entfernen könnest - welches wäre das?

„Auf jeden Fall Chemie und Altgriechisch. Da habe ich mich ewig mit rumgeplagt und es hat gar nichts gebracht. Jetzt kann ich zwar die Buchstaben lesen, verstehe die Wörter aber nicht. So ein Quatsch.“

Welches Fach würdest du dafür gerne auf dem Stundenplan sehen?

„Mein Bruder hatte in der Schule Ethik, das fand ich irgendwie spannend. Ansonsten alles, was die Kreativität und Individualität fördert. Zu lernen, wie man eigene Projekte umsetzt, finde ich eine ganz wichtige Voraussetzung für das Leben nach der Schule.“

Vielen Dank für das nette Gespräch, liebe Nilam!




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