• Viola

Lieblingskinder in Familien: Von kleinen Persönlichkeiten und ihrer Wertschätzung

Vor kurzem stellte mir ein Bekannter eine ungewöhnliche Frage. Er wollte von mir wissen, ob ich bei meinem Kleeblatt Lieblingskinder habe. Er selber ist Vater von einem Kind, das zweite wird im September erwartet. Über meine Großfamilie staunte er nicht schlecht, denn vier Kinder sind nach wie vor eine vergleichsweise üppige Kinderschar. Als ich ihm dann noch sagte, dass ihre Altersspanne von 4-14 Jahren reicht, verrutschten ihm kurz die Gesichtszüge.

Dann schmunzelte er und sagte: „Sei mal ehrlich, da hast du doch bestimmt ein Lieblingskind, oder?“ Ich überlegte und ging auf der Suche nach einer ehrlichen Antwort meine vier Kinder durch…

Jedes Kind ist eine Persönlichkeit

Da wäre zuerst meine große Tochter, die mich mit ihren 14 Jahren und ihren pubertären Allüren manchmal in den Wahnsinn treibt. So früh, wie sie mich früher immer geweckt hat, so lange schläft sie mittlerweile in ihrem geliebten Kuschelbett. Die kleinen Geschwister nerven sie oftmals, Mama sowieso und Papa erst recht. Gelebt wird der Widerspruch, kontra ist King. Aber ist sie deshalb in meiner persönlichen Beliebtheitsskala abgerutscht?

Nein, sie ist ein Teenager auf dem Weg zu sich selbst und muss sich erst finden. Zickigkeiten und genervte Blicke gehören dazu – ich selber war in diesem Alter nicht anders. Anstrengend ist das schon manchmal, aber umso kostbarer sind die Momente, in denen sie meine Nähe sucht. Wenn sie mich um Rat bei ganz persönlichen Herausforderungen fragt dann weiß ich, dass unsere Beziehung so stark und eng ist, dass keine hormonelle Wallung sie dauerhaft erschüttern kann.

Mein Sohn ist ein Sonnenschein. Kaum ein Morgen gibt es, an dem er nicht strahlt und mit seiner guten Laune die Familie ansteckt. Er hat einen riesigen Freundeskreis, spielt sehr erfolgreich Fußball und liebt seine drei Schwestern von ganzem Herzen. Ein Kind, das mit Freude im Herzen durchs Leben gleitet und überall gerne gesehen ist. Eigentlich der klare Anwärter auf den Platz des Lieblingskindes.

Und dann wären da noch meine kleinen Zwillingsmädchen. Obwohl sie eineiig sind, sind sie doch so verschieden wie Feuer und Wasser. Äußerlich identisch hat doch jede ihren ganz eigenen Charakter, ihre eigenen Stärken und Schwächen (über Unterschiede bei Zwillingen habe ich in diesem Beitrag ausführlich geschrieben). Gut so, finde ich, denn schließlich möchte ich keine zwei Klone, sondern eigenständige Persönlichkeiten aufziehen.

Während die eine eher zart und zurückhalten ist, erweist sich ihre Schwester zumeist als Draufgängerin. Sie ist dominant und willensstark und lässt die Nachbarschaft gerne lauthals an ihrer Gefühlswelt teilhaben. Eine Herausforderung für mich als Mutter, denn sie zieht damit meine Aufmerksamkeit stark auf sich. Schwierig, wenn es noch ein Kleinkind plus zwei ältere Kinder gibt, die ebenfalls ihre Ansprüche an mich stellen.

Ihre Zwillingsschwester ist da weitaus pflegeleichter. Sie ist zurückhaltender, ohne dabei aber verunsichert zu sein. Häufig empfinde ich sie als abgeklärter, sie ruht einfach in sich selbst und hat Geschrei nicht nötig. Ihre Wünsche äußert sie deutlich, ohne dabei in permanentes Quengeln zu verfallen. Ein weitgehend unkompliziertes Kleinkind – aber macht sie das automatisch zu meinem Lieblingskind?

Meine Antwort

Nein, sagte ich meinem Bekannten, auch wenn ich ganz ehrlich in mich hineinhorche kann ich nicht sagen, dass ich eins oder mehrere Lieblingskinder habe. Ich liebe sie alle vier – und ich liebe sie tatsächlich bedingungslos. Natürlich gibt es Tage, an denen das eine oder andere Kind besonders viele Nerven kostet, das kennt wahrscheinlich jede Mama unter euch. Ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass in unserer Familie immer Harmonie herrscht und alles sich wunderbar in Balance befindet.

Das ist nicht so und ich habe auch gar nicht den Anspruch, dass es so sein sollte. Leben heißt auch immer Dynamik und Entwicklung, da gibt es keinen Stillstand. Und so sind manche Tage ruhiger als andere, an denen man einfach das Gefühl hat, ein Kind (oder auch gerne mal zwei) ist mit dem falschen Fuß aufgestanden. Dann kochen die Emotionen hoch und man müht sich durch den Tag, ohne rechte Freude daran zu finden. Ich finde es nur menschlich, wenn einem an manchen Tagen ein Kind näher ist, als das andere. Das macht es aber noch lange nicht zum Lieblingskind.

Für mich ist all das Familie, ist all das Leben. Meine vier Kinder sind vier unterschiedliche Persönlichkeiten. Sie sind nicht auf der Welt, um gut zu funktionieren oder es mir recht zu machen. Sie sind hier um zu lernen – genau wie ich es bin. Und so lernen wir voneinander, jeden Tag ein Stückchen mehr. Dabei hat jeder eine wichtige Rolle, die nur er (oder sie) ausfüllen kann.

Meine Kinder sind meine Lieblingskinder – alle vier. Ohne Gewichtung, ohne Wertung. Einfach nur mit ganz viel Liebe.

Wie ist das bei euch? Habt ihr euch diese Frage auch schon mal gestellt? Ich freue mich auf eure Gedanken zumThema in den Kommentaren 🙂

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